Spott und Demütigung muss Aschenbrödel ertragen und niedrigste Arbeiten muß es verrichten. Die Stiefschwestern und die Stiefmutter muss es von vorne bis hinten bedienen. Zu gerne würde es auf dem Ball des Prinzen tanzen, zu dem die Stiefschwestern und die Stiefmutter eingeladen sind. Die Fee macht’s möglich, dass es – unerkannt – den Ball besucht. Der Prinz und Aschenbrödel verlieben sich. Doch vor Mitternacht muss Aschenbrödel den Ball verlassen, denn nur bis dahin wirkt der Zauber. Beim Davoneilen verliert es seinen Schuh. Im ganzen Land lässt nun der König nach der fremden Schönheit suchen, der dieser Schuh passt. In ihrem Hochmut und ihrer Eitelkeit probieren auch die Stiefschwestern den Schuh, angetrieben von der Karrieresucht ihrer Mutter, unbedingt eine ihrer Töchter mit dem Prinzen zu verheiraten. Doch wer ist die wahre Braut?
Am Ende siegt die wahre, innere Schönheit über den aufgesetzten Putz der Stiefschwestern. In dieser verspielten komödiantischen Grimm-Adaption haben alle Figuren einen liebenswürdigen Tick.
Wer kennt es nicht – das Märchen vom Aschenbrödel oder Aschenputtel, Aschengrübel (Schweiz), Aschenpüster, Aschenpöling oder Cinderella? Märchenforscher haben weltweit über 300 Varianten des Aschenputtelmotivs zusammengetragen. Es handelt sich dabei um ein sehr altes Motiv, das im neunten Jahrhundert in China zum ersten Mal aufgezeichnet wurde. Schon lange, bevor Charles Perrault (1628-1703) das Märchen in die Form brachte, in der es heute weltbekannt ist, war das “in Asche leben müssen” bereits ein Symbol dafür, dass jemand hinter seinen Geschwistern, gleichgültig welchen Geschlechts, zurückstehen musste. Kein anderes Märchen zeigt so deutlich die inneren Erlebnisse des kleinen Kindes, das schwer unter der Geschwisterrivalität und unter der Erniedrigung durch die Stiefmutter zu leiden hat.
Das Märchen hilft dem Kind, seine Angst, im Vergleich zu seinen Geschwistern keine Liebe und Achtung der Eltern erringen zu können, zu überwinden.
Dieses Jahr haben wir eine Märchenadaption von Jewgeni Schwarz ausgesucht. Seinem Aschenbrödel diente die Vorlage des Feenmärchens von Perrault.
Auch in diesem Märchen kommt die Hilfe von außen, zwar nicht von den Tauben wie im Grimm’schen Märchen, sondern von einer Fee, die zugleich Aschenbrödels Patentante ist.
Die Fassung von Jewgeni Schwarz (geb. 1896 im russischen Kasan, gestorben 1958 in Leningrad) ist eine sehr verspielte, komödiantische Version. Schwarz gebrauchte für seine abgewandelten Märchenstücke deren Symbole, Motive und Figuren, um die politischen und ideologischen Verhältnisse seiner Zeit anzuprangern. Die Tendenz seiner Stücke ist zutiefst humanistisch und antibürokratisch. Wie sagte er doch so vielsagend über sein Aschenbrödel:
“Gutmütig sein genügt nicht, nur gut sein kann etwas bewirken.”

Foto: t&w 
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