Weit draußen im Meere ist das Wasser so blau wie die Blätter der schönsten Kornblume und so klar wie das reinste Glas. Aber es ist sehr tief, tiefer, als irgendein Ankertau reicht. Dort unten wohnt das Meervolk.” Unter ihm die kleine Seejungfrau, die jüngste Tochter des Meerkönigs. Trotz der Schönheit ihrer Welt sehnt sie sich mehr als alles andere nach dem Himmel, den Wolken, den Vögeln und dem Strand. Sie sehnt sich danach ein Mensch zu sein und eine Seele zu haben. Sie will endlich emportauchen dürfen und all die Wunder selbst bestaunen, von denen sie glaubt, dass die Menschen sie besitzen. Und als sie endlich die Erlaubnis erhält, erblickt sie am Ufer einen jungen Mann – in den sie sich sofort unsterblich verliebt. In einem wildem Sturm rettet sie ihm das Leben und sehnt sich fortwährend nur noch nach ihm – sie muss ihn wiedersehen! So schließt sie einen Pakt mit der Meerhexe: Durch einen Zaubertrank tauscht sie ihren Fischschwanz gegen zwei Beine, dafür muss sie der Hexe ihre Stimme geben. Jetzt bleibt der kleinen Nixe nur die Sprache ihrer Augen und ihres Tanzes, um die Liebe des Prinzen zu erringen. Heiratet er eine andere, wird sie in derselben Stunde zu Schaum auf dem Meer …
“Guten Abend, Guten Abend. Wie weit ist es zu dir? Weit ist es, weit. Und weit ist es zu mir.” ( Ingeborg Bachmann : Undine geht)

Foto: t&w 
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